Besser, billiger, sicherer: Bund wird Netzbetreiber
Der Einstieg des Bundes im Mobilfunk-Sektor läuft quasi "außer Konkurrenz". Berlin wappnet sich für einen Verkauf der Telekom-Tochter T-Systems.

Vorsicht ist die Mutter der Porzellankiste. Das weiß auch die Bundesregierung und trifft nun eiligst Vorbereitungen für den Fall, dass ein ausländischer Anbieter die Kontrolle über die Telekom-Tochter T-Systems oder gar den ganzen Konzern übernimmt. Die Strategie ist simpel: Der Bund will künftig die Dinge in die eigenen Hände nehmen und wird selbst Netzbetreiber. Bereits Ende des nächsten Jahres soll der Netzumbau abgeschlossen sein. Zur Vorgeschichte: Der Ex-Monopolist hatte Ende der 90er Jahre den Dauerauftrag erhalten, alle streng vertraulichen E-Mails und Telefonate zwischen den Regierungsstellen sicher zu transportieren. Über den speziell abgeschirmten Informationsverbund Berlin-Bonn (IVBB) wurde über Jahre hinweg gewährleistet, dass keine ausländischen Geheimdienste vertraulich geführte Gespräche abgehört bzw. Verschlusssachen abgefangen werden können. Vor drei Jahren schrillten in Berlin dann aber erstmals die Alarmglocken. Der damals frisch gebackene Telekom-Chef René Obermann erwog den Verkauf der wenig profitablen Großkundensparte T-Systems. Nur mit einem Veto konnte der Bund verhindern, dass die Telekom-Tochter und damit auch das Regierungsnetz in ausländische Hände fiel.

Nun kündigte Martin Schallbruch, IT-Direktor des Bundes, in der WirtschaftsWoche die Wende an und ebnete damit auch den Weg für den Verkauf von T-Systems: „Wir nehmen die zentrale Steuerung und den Betrieb des Netzes selbst in die Hand, damit wir besser, billiger und sicherer werden.“ Bereits Ende 2010 soll der Netzumbau zu einem einheitlichen Hochsicherheitsnetz vollzogen sein. Darin sollen Bundesregierung, Bundesverwaltung und Bundesländer miteinander verbunden sein. Zurzeit existieren noch diverse staatliche Netze mit unterschiedlich hohen Sicherheitsstandards nebeneinander.

Für die Telekom bedeutet dies allerdings auch, dass sie im Zuge dieser Reform ihre Position als „technischer Hoflieferant“ des Bundes verliert. Schallbruch betont: „Beim Bau der Infrastruktur arbeiten wir künftig mit vielen verschiedenen Anbietern zusammen.“ Nach Bedarf werde man einzelne Module so einkaufen, dass man die Anbieter jederzeit wechseln könne. Sicherlich gerne hören werden dies die Telekom-Konkurrenten wie der amerikanische Anbieter Verizon oder die britische BT, die nun die Chance erhalten, auch in Deutschland häufiger Regierungsaufträge zu erhalten.